Geld anlegen

#FinanzielleFehler: Depot-Deal mit Finanzberater

Geschichten aus dem Leben: In der Rubrik #FinanzielleFehler berichte ich von meinen finanziellen Fehlentscheidungen. Niemand ist perfekt und wir machen alle Fehler – aber man muss nicht jeden Fehler selber machen, um daraus zu lernen. Diesmal erzähle ich euch die Geschichte von meinem ersten Investment – das über einen Finanzberater lief.

Darum geht’s:

Nach meinem Auslandssemester in Lissabon machte ich ein Praktikum bei einem Finanzdienstleistungsunternehmen. Ich war Anfang 20 und wollte dabei vor allem mehr über die Finanzwelt lernen und musste durch die international verschobenen Semesterzeiten sowieso ein paar Monate bis zum neuen Semesterstart überbrücken.

#FinanzielleFehler

Gemeinsam mit den anderen Praktikanten bekam ich während des Praktikums viel von der Arbeit der Finanzberater mit und lernte, welche Produkte es – insbesondere im Versicherungsbereich – auf dem Markt gibt und wie sie funktionieren. Als das Praktikum fast vorbei war, fragte man uns, welche Produkte wir denn interessant finden und sprachen gemeinsam darüber, was in unserer Situation gerade Sinn macht. Mich interessierten am meisten Investments für Privatanleger. “Kein Problem”, sagte man mir “das Thema können wir zusammen angehen und ein Depot für dich einrichten”.

Darum machte ich mit:

Im Nachhinein betrachtet war das ziemlich blauäugig. Aber Geldanlage durch z.B. Fonds fand ich schon lange spannend und wichtig, traute mich aber erst nicht so richtig an die Sache heran. Ich wusste einfach zu wenig darüber und wollte ungern einen Fehler machen – schließlich ist dies auch immer mit Risiken verbunden. Häufig hatte ich in Finanzmagazinen gelesen, dass man mitunter mit dem vollständigen Verlust von Wertpapieren rechnen muss. (Dieser Hinweis soll Anleger auf ihr eigenes Risiko hinweisen, genauso aber auch die jeweiligen Autoren oder Firmen rechtlich absichern).

Ich war noch im Studium und hatte somit nicht super viel Geld im Alltag zur Verfügung, da sollte das Investment mir schon einen Mehrwert bringen. Warum also mein Geld nicht jemandem anvertrauen, der sich täglich damit beschäftigt und (scheinbar) richtig gut auskennt? Jemandem, den man dazu in den letzten Wochen und Monaten durch die tägliche Arbeit beruflich wie auch persönlich kennen gelernt hatte?

Das ist passiert:

Ich eröffnete also gemeinsam mit dem Finanzberater ein Depot bei dem firmeninternen Broker und konnte mir 5 Fonds aus einer Liste aussuchen, in die ich monatlich eine kleine Summe per Sparplan-Auftrag investierte.

Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste ist, dass ich auch hätte direkt über meine Hausbank ein Depot eröffnen können. Hier hätte ich die gleichen oder zumindest ähnliche Fonds aussuchen können und zudem auch ein viel größeres Angebot zur Auswahl gehabt. (Mittlerweile kann man über Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital ein kostenloses Depot, teilweise ganz ohne Transaktionsgebühren führen)

Dies hätte mich auch weitaus weniger Geld gekostet: denn für mein Depot sowie für jede Einzahlung wurden Gebühren fällig, die über die geläufigen Transaktionsgebühren weitaus hinaus gingen. Gebühren, die ich nämlich vor allem an eine Person zahlte: meinen Finanzberater, der mir das Ganze als sinnvoll und profitabel beschrieben hatte.

  • Ausgabeaufschlag: Dies ist eine soganannte “Vertriebsprovision” für die Vermittlung der Fondsanteile. Sie liegt bei Aktienfonds in der Regel zwischen 4-6% und wird von jeder Rate, die man in den Fonds einzahlt, direkt abgezogen
  • TER (total expense ratio): Hierunter versteht man grob gesagt Kosten für das Fondsmanagement, für die Nutzung des Depots und für administrative Dinge im Zusammenhang mit den Fondsvertrieb. Kosten, die bei aktiv gemanagten Fonds entstehen und die beim Investieren in einen ETF mit Depotführung über die Hausbank hätten (zum Großteil) gespart werden können.
  • Transaktionskosten: Die Gebühren für Börse und Makler fallen bei jedem Kauf oder Verkauf von Wertpapieren an – sozusagen um die Investition überhaupt möglich zu machen. Sie variieren jedoch anhand dessen, wie oft Umschichtungen durch den Fondsmanager geschehen und mit welchen Anbietern er hier zusammenarbeitet.

Als ich schließlich davon Wind bekam und mein Depot kündigte war ich zwar insgesamt im Plus, aber dies lag an den damaligen wirtschaftlich sehr guten Zeiten. Ich will mir gar nicht ausmalen wie viel mehr Geld ich hätte haben können, hätte ich den direkten Weg ohne Depot-Deal mit dem Finanzberater gewählt.

[Die genauen Unterlagen zu meinen damaligen Fonds warf ich in meiner Verärgerung weg, sobald das Depot aufgelöst war. Daher kann ich leider keine exakten Zahlen hierzu mehr nennen.]

Das können wir daraus lernen

Diese Tricks werden eingesetzt:

Vertrauensvorsprung: Durch mein Praktikum hatte ich die Finanzberater in der Firma kennen gelernt, auf beruflicher und persönlicher Ebene. Eine gute Voraussetzung aus Sicht meines Finanzberaters, damit ich ihm mein Geld anvertraute.

Unwissenheit: Mein Wissen über meine Möglichkeiten beim Thema Geldanlage war begrenzt. Sicher hätte ich mich auch zu dem Zeitpunkt im Internet informieren oder Bücher lesen können, aber ich war mir nicht bewusst, dass es auch noch andere, weitaus lukrativere Wege beim Thema Geldanlage in Fonds gibt.

Positionierung als (objektiver) Experte: Mein Berater vermittelte mir den Eindruck, dass er sich auf dem Gebiet sehr gut auskannte. Er positionierte sich als Experte, der sich jeden Tag nur mit Finanzdienstleistungen beschäftigte. Mehrmals wurde erwähnt, dass die Beratung unabhängig erfolgt und die Auswahl der Finanzprodukte nach objektiven Kriterien erfolgt. Als ich ein bisschen recherchierte musste ich aber feststellen, dass die Firma in den Händen mehrerer Finanz- und Versicherungsdienstleister liegt. Es handelt sich natürlich um die Dienstleister, die in den Beratungen (zumindest in denen, bei den ich dabei war) am meisten empfohlen wurden.

Das kannst Du tun:

Nutze mehrere Quellen: Ich empfehle dir vor allen Entscheidungen zum Thema Geldanlage und Versicherungen, Informationen aus mehreren Quellen einzuholen. Denn Anbieter zielen weniger darauf ab, dich als Kund:in umfangreich zu informieren, sondern wollen viel mehr, dass du möglichst schnell einen Vertrag unterzeichnest, an dem sie verdienen. Nutze also mehrere Quellen, um alle wichtigen Informationen zu erhalten und eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Betreibe Recherche zum Anbieter: Informiere Dich im Vorfeld über die Firma/den Vermittler, falls du so einen Vertrag nicht direkt über deine Bank abschließen willst. Ist diese/dieser wirklich unabhängig und der Vertrag in deinem Sinne?

Lass Dich nicht unter Zeitdruck setzen: Für Finanzberater ist es natürlich praktisch, wenn du möglichst schnell einen Vertrag abschließt: Sie haben weniger (zeitlichen) Aufwand und du hast weniger Zeit, es dir noch einmal anders zu überlegen. Mach dir das bewusst und überlege dir deine Entscheidung gründlich.

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2 Kommentare

  1. Im Grunde machen die meisten von uns in jungen Jahren ähnliche Fehler. Schade, das das Thema Finanzbildung in der Schule nicht vorkommt. Das wäre im späteren Leben viel wichtiger, als Integralrechnung und Gedichtinterpretation.

    1. Redaktion says:

      So sehe ich das auch. Hoffentlich ändern sich das irgendwann mal

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