Finanzwissen für Frauen

So holst du mehr aus deinem Gehalt raus

Ein Gastbeitrag: Alexia Tsouri hat Akademiker Fibel ins Leben gerufen, um besonders akademische Frauen bei ihrem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit zu unterstützen. Lies mehr in der Autorenvorstellung
Dieser sehr spannende Beitrag zum Thema Gehalt beschreibt Wege, und Möglichkeiten dein Gehalt positiv zu beeinflussen.

Warum akademische Frauen bei Gehaltsverhandlungen den Kürzeren ziehen

Als ich klein war, bin ich mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen. Anstatt mit Barbies spielte ich Poker und Fußball und verstand erst Jahre später, wie sehr mir diese Erfahrung geholfen hat. Denn eines musste ich lernen, mit älteren Brüdern, mich durchzusetzen. Ich musste für das kämpfen, was mir wichtig war. Diese Kompetenz half vor allem die ersten Jahre im Berufseinstieg nach Studium.

Nach meinem Abitur studierte ich Wirtschaftswissenschaften, weil mir Finanzthemen lagen und weil ich das Thema mochte. Daher war es für mich auch selbstverständlich, dass ich beispielsweise bei Gehaltsverhandlungen alles gab. Ich ließ mich neben dem Studium als Verhandlungstrainerin ausbilden und benutzte jede Technik und jeden Griff, um mein Gehalt in jeder erdenklichen Weise zu erhöhen. Es machte mir sogar Spaß und ich fing schnell an, andere akademische Frauen zu motivieren. So schaffte ich es innerhalb der ersten 3 Jahren mein Gehalt zu verdoppeln.

Tatsächlich herrscht in Unternehmen oft eine ganz eigene Politik, was Gehaltserhöhungen betrifft. Denn Unternehmen vergeben meist fixe Budgets für Gehaltserhöhungen. Dies bedeutet, dass nicht jeder jedes Jahr von dieser Zuckerwatte profitiert. Da ich viel von meinen Brüdern gelernt habe, hielt ich mich bei Gehaltsfragen auch weiterhin an die Männer in meinem Team.

Denn Männer haben immer noch wunderbare Talente, Ihr Gehalt positiv zu beeinflussen. Frauen dagegen hinken trotz akademischen Abschlusses oft hinterher. Im Vergleich der Gehaltserhöhungen habe ich vor allem bei Männern spannendes herausgefunden:

  • Akademische Männer kommunizieren ihre Erfolge aktiv an Teamleiter und Co.  Akademische Frauen halten ihre Erfolge für selbstverständlich. Sie schreiben die Erfolge eher dem Team zu. Männer schreiben sich die Erfolge oft selbst zu und erhalten daher öfter die verdiente Gehaltserhöhung
  • Frauen scheuen Konflikte und Eskalationen zu dem Thema. Männer haben keine Schwierigkeiten für das einzustehen, was sie glauben zu verdienen
  • Teams können teilweise wie Haifischbecken sein.  Einmal durfte ich einen männlichen Arbeitskollegen dabei erwischen, meine Projektidee als seine auszugeben. Dies korrigierte ich beim Teamleiter schnell, denn meine erfolgreichen Ideen sollen mir mehr Gehalt bringen und nicht meinem männlichen Kollegen

Akademische Frauen verstehen immer noch nicht das Machtspiel einer Gehaltsverhandlung

Akademische Frauen sind heutzutage sehr gebildet und hoch qualifiziert.  Jedoch steht ihnen genau das manchmal im Weg. Denn oft glauben wir Frauen, dass es reicht gut zu sein und Leistung zu erbringen. Akademische Frauen nehmen an, dass Teamleiter von alleine das Potenzial erkennen und Gehälter automatisch anpassen. Dies ist leider in den seltensten Fällen Realität.

Peter Mugler nennt dieses Phänomen auch den blinden Fleck der Intellektuellen. Vor allem akademische Frauen scheuen sich immer noch davor, Gehaltsanpassungen zu fordern. Die Sozialisation lehrt uns Frauen immer noch dankbar und bescheiden zu sein. Dies durfte ich bei einer akademischen Kollegin 1:1 erleben.

In meinem ersten Job nach Studium lief mein befristeter Vertrag zusammen mit dem Vertrag einer akademischen Kollegin aus. Ich hatte den Termin für die Neuverhandlung direkt vor Ihr. Somit konnte ich ihr mitteilen, wie hoch meine ausgehandelte Gehaltserhöhung (4 Prozent) ausfiel. Dies war eine wichtige Information für Sie, denn es steigerte ihre Verhandlungsmacht enorm. Ich erschrak allerdings regelrecht, als sie nach ihrem Gespräch aus dem Raum kam. Sie sprach das Thema nicht mal an und bekam dementsprechend weiterhin das gleiche Gehalt.

Obwohl sie wusste, dass jemand vor ihr erfolgreich eine Gehaltserhöhung durchgeführt hat, scheute sie sich, das Kind beim Namen zu nennen. Als ich sie im Nachhinein darauf ansprach, wurde deutlich woran es lag. Sie wollte nicht unhöflich und dreist klingen. Dies machte mich schon fast traurig.

Auch akademische Frauen leiden unter der academic gender pay gap

Ich erlebe seitdem immer wieder, dass sich vor allem akademische Frauen die Sohlen wund arbeiten. Sie besuchen die 100. Weiterbildung, um fachlich noch besser zu werden. Denn irgendwann muss der Chef doch mal das Potenzial erkennen. Trotzdem erhält der männliche akademische Arbeitskollege die Gehaltserhöhung. Dieses fast perfide Spiel hat Konsequenzen: Fachkreise nennen die Konsequenzen auch academic gender pay gap.

Die academic gender pay gap beschreibt vereinfacht ausgedrückt die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau für den gleichen Beruf. Frauen verdienten beispielsweise im Jahr 2020 im Durchschnitt 18 % weniger pro Stunde als Männer. Diese Lohnlücke macht auch bei akademischen Frauen keinen Halt. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Beispielsweise arbeiten akademische Männer eher in Berufen, die mit ihrem Studium zusammenhängen, während Frauen eher Berufe ausüben, die weniger oder keine Fachkenntnisse erfordern. Weitere Studien* zeigen zudem, dass Familiengründungsentscheidungen immer noch ein Thema ist, wieso Frauen im Durchschnitt fast 20 Prozent an Gehalt einbüßen. Diese Entscheidungen gehen über den Abschluss hinaus und ziehen sich sogar bis in das Berufsleben akademischer Frauen. 

Damit das gebührend gefeiert wird, wurde der Equal Pay Day ins Leben gerufen. Dieser fällt an dem Tag, an denen die Frauen das Lohngefälle ausgeglichen haben. Im Jahr 2022 musste die Frau im Vergleich zu den Männern beispielsweise bis zum 17. März „umsonst“ arbeiten. Ich persönlich arbeite nicht gerne umsonst, und ich denke du auch nicht lieber Leser.

Meine drei Trümpfe für dich, wie du spielend einfach mehr Gehalt erhältst 

Daher habe ich dir drei Trümpfe mitgebracht, mit denen ich in den letzten Jahren mein Gehalt erhöht habe:

1. Verstehe dich immer gut mit deinen Kollegen

Als ich meiner Kollegin im ersten Job mitteilte, dass ich eine 4-prozentige Gehaltserhöhung erhalten habe, stieg Ihre Verhandlungsmacht enorm. Denn sie wusste, dass die Chance groß sein würde, dass Sie ähnliche Forderungen durchsetzen könnte. Sie nutzte ihre Chance nicht. Ich dagegen meine schon. Denn wann immer ich in einem neuen Unternehmen anfing, versuchte ich vorsichtig bei meinen Kollegen das Thema anzusprechen.

Manchmal merkte ich, dass ich mein Gehalt super verhandelt habe. Einmal fiel nach informellen Gesprächen auf, dass noch Luft nach oben war. Denn auch wenn manche Kollegen ihr Gehalt nicht mitteilen möchten, fragte ich, ob ich Gehalt xy gut verhandelt habe und erhielt schnell Antwort. Sich gut mit den Kollegen zu verstehen, ist daher sehr wichtig für jede akademische Frau.

2. Das Thema Gehalt muss immer präsent sein

Als mein Teamleiter mich das letzte Mal für ein erfolgreiches Projekt gelobt hat, bedankte ich mich mit einem Lächeln und den Worten „Denken Sie daran, wenn wir das nächste Mal über mein Gehalt sprechen“.  Wann immer es möglich ist, versuche ich das Thema „Gehalt“ in den Sprechtopf zu werfen. Ich beginne schon beim Probezeitgespräch (nach 3 Monaten) zu argumentieren, dass ich verantwortungsvolle Projekte übernehme und dies mein Gehalt widerspiegeln muss.

Sobald das erste Jahr im Unternehmen vorbei ist und ich mein erstes Jahresgespräch habe (gang und gäbe in Unternehmen), bringe ich das Thema auf den Tisch. So schaffe ich es immer im Kopf meines Teamleiters zu sein, sobald der Budgettopf neu gefüllt wird.

Das schönste bei dieser Taktik? Manchmal passiert es, dass ohne unser Wissen der Budgettopf für Gehaltserhöhungen gefüllt wird, beispielsweise wenn das Unternehmen ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr aufweist. So konnte mir mein Teamleiter mitten im Jahr einen Überraschungsbonus von 500 € geben oder meinen jährlichen Leistungsbonus um tausende von Euros erhöhen. Denn er wusste, dass mir das Thema wichtig ist. Haben oder nicht haben.

Solltest du keine Jahres- oder Meilensteingespräche haben, fordere sie dir ein.  Auch kannst du deiner Führungskraft in einem „Entwicklungsgespräch“ signalisieren, dass du bereit bist verantwortungsvollere Aufgaben und Projekte zu übernehmen. Stimmt diese zu, ist es ein Klax hierfür auch ein höheres Gehalt zu fordern. 

3. Gehe nie ohne Alternativen oder Ausstiegsszenario in die Gespräche

Eine weitere Taktik, die ich bereits erfolgreich in den letzten Jahren eingesetzt habe, ist die Alternativtaktik. Ich gehe in die Gehaltsverhandlung und sobald ich mehrfach ein NEIN erhalten habe, frage ich nach Alternativen. So kam es, dass ich eine Fortbildung bezahlt bekommen habe, deren Kosten im mittleren vierstelligen Bereich lag. Aber auch mehr Urlaubstage, Dienstwagen oder Home-Office-Ausstattung sind immer noch beliebte Godies, die ich anstatt einer Gehaltserhöhung gerne nehme. Beliebt sind vor allem bei der Generation Z Arbeitszeitreduzierungen ohne Gehaltskürzung. Solltest du dies schaffen, hast mindestens genau so viel Erfolg erzielt wie bei einer Gehaltserhöhung.

Natürlich läuft es nicht immer so rosig, wie ich es hier beschrieben habe. Manchmal nützen die besten Tricks nicht, denn die Unternehmenskultur muss stimmen und offen für Gehaltserhöhungen sein. Ich war bereits in Unternehmen angestellt, in denen Gehaltserhöhungen nur passieren, wenn die Stelle gewechselt wird und sonst konsequent abgelehnt wurden.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die durchschnittliche Gehaltserhöhung gerade einmal 4 Prozent beträgt, wenn du im Unternehmen bleibst und sage und schreibe 17 Prozent beträgt, wenn du das Unternehmen wechselst. Unternehmens-, Branchen- und Standortwechsel waren daher für mich persönlich die Gehaltsbooster der letzten Jahre.

Wann immer ich mit meinen Forderungen nicht weiterkam, wandte ich den legendären „Trump Walk Out“ an. Trump hat demonstrativ den Verhandlungstisch verlassen, sobald seine Forderungen nicht erfüllt wurden. Und auch ich bewarb mich weg, wenn ich merkte, dass ich im Unternehmen nicht weiter kam.

Es lohnt sich immer ein Ausstiegsszenario zu überlegen. Denn noch immer machen viele akademische Frauen den Fehler zu loyal einem Unternehmen oder einem Team zu sein und gehen nicht, obwohl die Leistung nicht geschätzt wird. Manche Kollegen arbeiten Jahrzehnte im gleichen Unternehmen ohne eine nennenswerte Gehaltserhöhung. Das Verlassen des Verhandlungstisches erfordert natürlich Mut. Doch Mut wurde bei mir in den letzten Jahren immer wieder belohnt.

Fazit

Daher kann ich vor allem akademischen Frauen empfehlen sich das einzufordern, was ihnen zusteht. Oft liegt es noch an der Sozialisierung, dass die weibliche akademische Elite finanziell benachteiligt wird. Ein Equal Pay Day reicht nicht aus, um das Lohngefälle langfristig auszugleichen. Manchmal müssen Frauen stärker eintreten. Und auch, wenn nicht jede akademische Frau mit größeren Brüdern aufgewachsen ist, wie ich, können diese sich spielend einfach Verhandlungstechniken von Männern abschauen.

Ich hoffe, ich konnte dich inspirieren für das einzustehen, was dir wichtig ist und wünsche dir viel Erfolg bei deiner nächsten Gehaltsverhandlung!

Autorenvorstellung

Alexia Tsouri

  • Finanzbloggerin, finanzverliebt, arbeitet im Investmentbereich
  • Verhandlungstrainerin, Dozentin, Coach seit 2014

Alexia Tsouri initiierte 2019 auf der Basis ihrer finanzwirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Ausbildung den ersten unabhängigen Finanzblog für Akademiker „Akademiker Fibel“ in Deutschland.

Akademiker Fibel unterstützt Akademiker dabei langfristig finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen. Dies schafft der Finanzblog, indem er Akademiker befähigt, sich Finanzwissen anzueignen und sich darauf aufbauend finanziell strategisch auszurichten.

Besuch unseren Blog, um mehr Informationen zu Gehaltsthemen zu erhalten: Akademiker Fibel

* auf folgende Studien wird verwiesen: Boll, Paul David, Lukas Mergele, and Larissa Zierow. „The gender pay gap in university student employment.“ Empirical Economics (2022): 1-61.; Kleven, Henrik, Camille Landais, and Jakob Egholt Søgaard. „Children and gender inequality: Evidence from Denmark.“ American Economic Journal: Applied Economics 11.4 (2019): 181-209.; Bütikofer, Aline, Sissel Jensen, and Kjell G. Salvanes. „The role of parenthood on the gender gap among top earners.“ European Economic Review 109 (2018): 103-123.; Auspurg, Katrin, Thomas Hinz, and Carsten Sauer. „Why should women get less? Evidence on the gender pay gap from multifactorial survey experiments.“ American Sociological Review 82.1 (2017): 179-210.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant...

4 Kommentare

  1. Jay says:

    Ich glaube, dieser Gastbeitrag trifft den Nagel auf den Kopf und passt hier toll in den Blog.

    In diesen Verhandlungen ist die innere Bereitschaft, sich umorientieren quasi ein Muß. Jeder wirtschaftlich denkende Chef wir schließlich nur dann das Fixgehalt erhöhen, wenn es notwendig ist, den Mitarbeiter zu halten. Wer sich sagt: „Ich will aber nicht gehen“ sagt damit im allgemeinen: „ich möchte mein Einkommen nicht unbedingt erhöhen“

    1. Alexia Tsouri says:

      Das stimmt Jay, ich glaube vor allem Frauen sind oft zu loyal ggü Chefs und Kollegen – Oft fehlt da die gesunde Portion Egoismus sich zu verbessern!

  2. Mia says:

    Wow! Diesen Artikel hätte ich so viel früher lesen sollen! Ich muss leider zugeben, dass ich mich bei dem Thema eher zurückhaltend verhalte, schließlich ist man ja irgandwie von dem Job, den man hat, abhängig. Aber das bringt einen natürlich nicht weiter, ganz richtig!

  3. Synne says:

    Danke für deinen Artikel! Ich bin immer davon ausgegangen, dass wir für gute Leistungen belohnt werden, aber jetzt weiß ich, dass wir uns selbst drum kümmern müssen, dass es so ist.

    liebe Grüße, Synne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.