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Der Lippenstift-Index als Wirtschafts-Barometer

Was hat ein Lippenstift mit der wirtschaftlichen Entwicklung zu tun? Sind hierfür nicht eher Aktienkurse, Inflation und Zinsentwicklung relevant? Auf den ersten Blick mag beides gar nicht zusammen passen, dennoch kann der Lippenstift-Index durchaus als Wirtschaftsindikator angesehen werden. Wie genau das funktionieren soll und ob Lippenstifte wirklich als sinnvolles Wirtschafts-Barometer taugen können, kannst Du in diesem Artikel lesen.

Was sind Wirtschaftsindikatoren?

Indikatoren werden in der Ökonometrie eingesetzt wie eine Art Glaskugel: man möchte mit ihnen ein wenig in die Zukunft schauen. Sie geben uns Anhaltspunkte dafür oder deuten darauf hin, wie sich die Wirtschaft entwickeln wird. Häufig werden das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und dessen Wachstum, sowie die Arbeitslosenquote als Wirtschaftsindikatoren verwendet.

Sind viele Menschen arbeitslos, hemmt dies das Wirtschaftswachstum. Denn die Menschen haben weniger Geld zur Verfügung und die Kaufkraft ist geringer. Andersherum kann die Wirtschaft schneller wachsen, je mehr Menschen in Beschäftigung sind.

Die eben genannten Beispiele beschreibt man als „harte“ Wirtschaftsindikatoren. Sie bilden je eine konkrete Zahl ab, die aus Datenreihen errechnet wird und die in sich selbst als Indikator ausschlaggebend ist.

Beim Lippenstift-Index ist das anders, es handelt sich hierbei um einen „weichen“ Indikator. Denn die konkrete Anzahl der verkauften Lippenstifte ist hierbei letzendlich nebensächlich. Der Lippenstift-Index spiegelt eine Stimmung wieder.

Was sagt der Lippenstift-Index aus?

Ich habe es irgendwann in einer meiner BWL-Vorlesungen aufgeschnappt. Mein Professor erzählte es als Anekdote, die unsere Aufmerksamkeit griff aber für die er auch nicht viele Worte (und damit auch nicht viel seiner kostbaren Vorlesungszeit) aufwenden musste. Der Begriff „Lipstick-Index“ geht zurück auf Leonard Lauder, welcher einst Vorsitzender des Kosmetiklabels Estee Lauder war. Ihm fiel auf, dass sich auf einmal besonders viele Lippenstifte verkauften – und dies zur Zeit nach den Ereignissen am 11. November 2001. Wirtschaftlich war dies ganz und gar keine gute Zeit, warum wurden dann hier mehr Lippenstifte verkauft als zuvor?

Die Denkweise hinter dem Lippenstift-Index ist so einleuchtend, dass man sie eigentlich nur einmal gehört haben muss, um sie sich zu merken. Man geht grundsätzlich davon aus, dass Frauen, um sich selbst für gute Leistungen zu belohnen, sich etwas schönes kaufen. Bei guter Konjunktur greift man hier zu Schmuck oder gönnt sich vielleicht ein neues Paar Schuhe. Bei schlechter wirtschaftlicher Lage möchte man sich zwar ebenfalls etwas schönes kaufen, aber dabei dann doch nicht so viel Geld ausgeben – und greift zu einem preiswerteren Gegenstand, nämlich dem Lippenstift.

Werden mehr Lippenstifte verkauft, deutet dies gemäß dem Lippenstift-Index auf eine Rezession hin, in der die Menschen eher weniger Geld zur Verfügung haben. Soweit die Theorie. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel: Während der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Lippenstiften stark gesunken. Grund hierfür war das häufige Tragen von Masken, durch die Mund und Lippen verdeckt wurden. Dafür wurde mehr Augen-Makeup verkauft als zuvor.

Fazit

Die Aussagekraft des Lippenstift-Index ist lange nicht gleichzusetzen mit einem der uns schon lange Zeit bekannten Wirtschaftsindikatoren. Es mag einen Zusammenhang zwischen dem Absatz von Lippenstiften und der wirtschaftlichen Entwicklung bestehen, jedoch sind Rückschlüsse hier nur begrenzt möglich.

Dies liegt zum einen daran, dass es sich nur um einen „weichen“ Indikator handelt, der nicht auf messbaren Daten beruht. So kann es sein, dass zwischenzeitlich der Trend mehr auf Mascara oder Rough liegt, dass die Berichterstattung in den Medien zu niedrigeren Verkäufen führt oder dass Lippenstifte zeitweise aus anderen Gründen nicht mehr so stark nachgefragt werden wie zuvor.

Zudem steht das Konzept ein wenig in der Kritik, weil es sich um einen noch „jungen“ Ansatz handelt. Die Erfindung fand im Jahr 2001 statt, seit dem sind noch nicht viele Wirtschaftszyklen vergangen. Wir können also gespannt sein, denn die Bedeutung des Lippenstift-Index wird sich erst im Laufe der Jahre zeigen.

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